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Herangereift zu einem Kulturträger

Diese Überschrift stand schon einmal in einer Tageszeitung mit einer Theaterkritik über das Märchen »Zwerg Nase«, das im Mai 1979 vom Wasgautheater Petersbächel aufgeführt wurde. Wie kam es zu diesem Kulturträger »Wasgautheater«? Welche Probleme hat ein Laientheater, das von einer Gemeinde mit nicht einmal 2 000 Einwohnern getragen wird?

Im Februar 1977 wurde in Petersbächel eine Jugendgruppe gegründet, deren Leitung Franz-Josef Schupp übernahm und mit mir für die Gestaltung der Gruppenstunden verantwortlich war. Im Jahr des großen Heimatfestes wurden in den Gruppenstunden Volks- und Heimatlieder nach eigenem Arrangement einstudiert. Allerdings war das Interesse der Jugendlichen an dieser Art von Freizeitgestaltung nicht sehr groß. Nach dem Auftritt beim Heimatfest versuchten wir es mit dem »Schauspielern«. Doch auch dieser Versuch scheiterte.

Im Jahr 1978 wurde die »Kleine Jugendgruppe« für 8 - 12 jährige gegründet und von Silvia Murawa geleitet. Eines Tages musste ich in einer Gruppenstunde einspringen. Bei der Überlegung über die Gestaltung der Gruppenstunde fiel mir ein kleines Theaterstück ein, dessen Manuskript ich in die Gruppenstunde mitbrachte. Das Theaterspielen schlug bei den Kleinen wie eine Bombe ein. Man war wie besessen von der Idee, dieses kleine Stück mit dem Titel »Die Regentrude« zur Aufführung zu bringen. Weil die Gruppe mit ihren Mitgliedern dieses Theaterstück nicht voll besetzen konnte, wurden zusätzliche Kräfte aus Fischbach geholt, um mit den Proben beginnen zu können. Als 18 -jähriger hatte ich kaum Hoffnung, das Stück zur Aufführung bringen zu können. Die Kenntnisse, die ich mir bei unzähligen Theaterbesuchen angeeignet hatte und die Hilfe von Franz Schupp, ermutigten mich. Auch bei den Behörden hatte ich ein offenes Ohr gefunden. Für die 4 Bühnenbilder half mir das Pfalztheater mit Leihgaben aus. Franz Schupp hatte eine besondere Auf- und Abbautechnik für die Bühne entwickelt.

Die Umbaupausen wurden mit musikalischen Darbietungen ausgefüllt. Eine Flötengruppe sowie einige Akkordeonspieler gestalteten das Programm. Endlich ging der Traum vom Theaterspielen in Erfüllung. Am 30. Sept. 1978 hob sich in der Schulturnhalle von Fischbach der Vorhang zur Premiere von »Die Regentrude«. Das Interesse der Bevölkerung war groß, über 180 Zuschauer besuchten unsere Vorstellung. Die Presse berichtete über den Erfolg des Wasgautheaters. Der Leiter der Dahner Laienspielgruppe, Herr J. Naab, machte uns auf den Landesverband »Amateurtheater Rheinland-Pfalz e. V.« aufmerksam, dem wir im Februar 1979 beitraten. Damit gehören wir auch dem Bund Deutscher Amateurtheater an. Wir nannten unser Ensemble »Wasgautheater«. Unsere Theatergruppe ist eine von 15 Laienspielgruppen, die in Dahn, Speyer, Bad Breisig, Bad Kreuznach, Kirchberg, Koblenz, Linz, Montabaur, Oberbettingen, Ockenfels, Rheinböllen, Trier, Wohnroth und Worms bestehen.Auf Vorschlag des Ensembles »Studio 61« in Rheinböllen nahmen wir uns als zweites Stück »Zwerg Nase« vor. Wegen der großen Besetzung mussten wir noch einige Laienspieler engagieren, so auch Barbara Roth. Mit dem Hauffmärchen »Zwerg Nase« hatten wir wiederum in der Turnhalle in Fischbach am 13. Mai 1979 Premiere. Wegen des guten Besuchs wurde die Vorstellung eine Woche später wiederholt. Mit diesem Stück gastierten wir, nachdem wir es in die Spielzeit 1979/80 noch einmal übernommen hatten, im Otfried-von-Weißenburg-Theater in Dahn. Hier spielten wir an einem Tag zweimal vor ausverkauftem Haus. Dabei verwendeten wir Scheinwerfer der ehemaligen Bühne der »Dahner Sommerspiele«, die uns inzwischen unentbehrlich geworden sind. Nach der Sommerpause begannen die Proben einer Erwachsenengruppe zu dem Stück »Vergib uns unsere Schuld«, das bis Weihnachten 1979 aufgeführt werden sollte. Dazu wurden die Scheinwerfer in Eigenleistung verbessert und einige vom Pfalztheater geschenkte Dekorationsteile umkonstruiert. Für diese Arbeiten stellte uns Frau Hinderberger in Fischbach, selbst begeisterter Theaterfan, ihre Scheune zur Verfügung, die durch einige Umbauten auch zum idealen Lagerplatz für die Kulissen verwandelt wurde. Die Umbaumaßnahmen für das neue Bühnenbild mussten oft bei großer Kälte in der ungeheizten Scheune durchgeführt werden. Auch Kostüme wurden in Eigenleistung gefertigt. Die Aufführungen fanden am 22. u. 23. Dez. 1979 statt. Das Stück »Vergib uns unsere Schuld« war ein Riesenerfolg. Es brachte jedermann in Weihnachtsstimmung. Ein musikalisches Vorprogramm trug noch dazu bei. Das Wasgautheater hat alle Mitwirkenden stark gefordert, zumal ja der Beruf nicht vernachlässigt werden durfte. Das nächstfolgende Theaterstück war der »Schweinehirt« nach dem gleichnamigen Märchen von H. Chr. Andersen. Auch bei diesem Stück wirkten 14 Darsteller mit. Die hervorragende Regie und das prächtige Bühnenbild fanden allgemein Anerkennung, so dass die Aufführung im Stammhaus in Fischbach die höchste Besucherzahl (etwa 200 Premierengäste) aufwies. Premiere war am 31. Mai 1980 mit Wiederholungsvorstellung am 7. Juni. Für das Kreisjugendamt Pirmasens fand am 9. Juli eine Sondervorstellung in Fischbach statt. Auch der Kindergarten von Fischbach erschien mit einer Gruppe. Jede Vorstellung wurde mit großem Applaus belohnt. Das Wasgautheater Petersbächel hat zur Zeit 20 Mitglieder mit zwei Gruppen; 12 Personen fallen auf die »Kleine Gruppe« für Märchenspiele, 6 Personen stellen die »Große Gruppe«, die Heimatstücke, Drama oder Komödie spielt.

Leiter des Theaters ist Andreas Bastian, Stellvertreterin Barbara Roth, die abwechselnd Regie führen, aber oft auch selbst Rollen spielen. Technik, Bühnenbild und Bauten gehören zum Betätigungsfeld von Franz-Josef Schupp. Barbara Roth betätigt sich noch als Maskenbildnerin, Garderobiere und Souffleuse. Die Stammbühne hat eine Größe von 10 x 5 m Spielfläche. Nachteilig wirkt sich aus, dass sich der Saal in Fischbach nicht verdunkeln lässt, so dass die an sich für den Nachmittag vorgesehenen Märchenvorstellungen auf den Abend verschoben werden müssen, weil die Beleuchtung in einem hellen Saal überhaupt nicht zur Geltung kommt. Probezeiten sind unterschiedlich und liegen zwischen 3 und 4 Monaten bei ein bis zwei Proben je Woche. Leseproben finden in der Walthari-Klause statt; später geht es auf die Hauptbühne, zunächst ohne, dann mit Dekoration und Kostümen. Die Generalprobe findet meist einen Tag vor der Premiere statt. Dann stehen alle unter Stress mit gelegentlicher Übernervosität. Wenn sich aber der Vorhang öffnet, sind alle Wehwehchen vergessen. Nach der Premiere kommen die Glückwünsche und man vergisst die mühevolle Vorbereitungsarbeit. Nach dem Erfolgserlebnis wird der Wunsch laut, möglichst bald wieder ein neues Stück aufzuführen. Der Lohn für die harte Arbeit ist in erster Linie der Spaß und die Freude am Erfolg. Zur Hebung des Niveaus einer Theatergruppe sind neben einem abwechslungsreichen Spielplan Schulungen in Gestik, Mimik und Sprache erforderlich. Der Landesverband lädt oft zu Schulungstagungen ein, wo auch Übungen zur Körperschulung gezeigt werden. Sprachtraining mit Atemtechnik muss betrieben werden, was besonders für Dialektsprechende wichtig ist. Ein Beispiel für eine Sprechübung, bei der die Wechselfolge zwischen s und z geübt werden soll:

Jetzt wetzt der Letzt

Gehetzt entsetzt des Messers flitzge

Spitz!Erhitzt, geritzt, Stoßlanz gespitzt,

Brustlatz zerfetzt vor Schmerz zersetzt Reitzts

Herz des Streites Hitz!

Stundenlanges Training ist erforderlich, um diesen Vers »schauspielgerecht« sprechen zu können.

Hauptproblem ist aber die leere Kasse des Wasgautheaters, denn trotz guter Besucherzahlen reicht das Geld kaum, um die folgende Inszenierung finanzieren zu können. Es fehlt das Geld für dringend notwendige Anschaffungen, wie Seitenvorhänge, Scheinwerfer, Kostüme, Rollenbücher und vieles mehr. Deshalb wäre unser dringlichster Wunsch, mehr Spielgelegenheiten in anderen Dörfern und Städten zu bekommen. Das Wasgautheater darf wohl stolz sein auf seine Leistungen und steht für alle interessierten Orte zur Verfügung, wenn man uns ruft. Ein weiterer Wunsch wäre, dass sich noch einige Jugendliche ab 18 Jahren zur aktiven Mitarbeit melden. Auch Hilfe und Unterstützung von Theaterfans wäre willkommen.Im Petersbächel hat sich eine Gemeinschaft gebildet, die ohne Ausnahme große Liebe zum Theater empfindet und mit Erfolg arbeitet, so dass das Wasgautheater als »Kulturträger« gelten kann.

Von Andreas Bastian aus dem Heimatkalender 1981.

Im Jahr  2008 Jahr feierte das „WASGAUTHEATER“ sein 30-jähriges Bestehen und besitzt seit 1998 ein eigenes Schauspielhaus im Gewerbepark Fischbach/Petersbächel.


Im Schauspielhaus werden eigene Inszenierungen gespielt oder ein ansprechendes Kinoprogramm geboten. Hier das aktuelle Programm.


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