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Vom Wieslautertal ins Sauertal entlang des ehemaligen Bahndammes - oder die Geschichte einer Bahnlinie.

Alles begann mit dem Bau eines französischen Truppenübungsplatzes.

Der staatlich anerkannte Erholungsort Ludwigswinkel im Sauertal ist das jüngste Dorf im Landkreis Pirmasens. Gegründet wurde es im Jahre 1783 von dem militärfreudigen Landgraf Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt. Zur Zeit seiner Gründung lag Ludwigswinkel im St.-Ulrich-Bann des Obersteinbacher Forstes der Grafschaft Hanau-Lichtenberg. Die neue Siedlung gehörte zur Schultheißerei Oberstein­bach im Amt Lemberg. Durch den Grenzvertrag zwischen Frankreich und dem Königreich Bayern (1825) musste Obersteinbach an Frankreich abgetreten werden, während Ludwigswinkel der Gemeinde Fischbach zugeteilt wurde und bei Deutschland verblieb.

Vor 85 Jahren (1921) wurde das abgelegene Ludwigswinkel über Nacht durch den Bau eines französischen Truppenübungsplatzes weit über die Grenzen der Pfalz hinaus bekannt. Durch den gleichzeitigen Bau der Wasgenwaldbahn vom Bahnhof Bundenthal zum Lager Ludwigswinkel war die Verbindung mit dem pfälzischen Schienennetz hergestellt; die Bevölkerung des Sauertales hatte Anschluss an die große weite Welt gefunden.Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg war Kaiser Wilhelm II. nach Holland geflohen, die deutschen Fürsten des Zweiten Reiches waren abgedankt, Deutschland musste im Jahre 1919 den Friedensvertrag von Versailles unterschreiben. Ziel der Franzosen war der Rhein als Grenze zwischen Deutschland und Frank­reich. Die Pfalz, die seit dem Jahre 1816 zu Bayern gehörte, sollte von Deutschland getrennt und mit Frankreich vereinigt werden. Die französische Besatzungsmacht mit Sitz in Mainz besetzte das ganze linke Rheinufer mit den Brückenköpfen des Rheines.


Um den französischen Truppenübungsplatz Bitsch in Lothringen zu vergrößern, musste das Deutsche Reich im Jahre 1921 als Reparations-kosten auf Reichsgebiet einen Truppenübungs-platz mit einem Lager bei Ludwigswinkel, mehrere Schießplätze zwischen Fischbach und Eppenbrunn sowie eine Bahnverbindung vom Bahnhof Bundenthal zum Lager Ludwigswinkel bauen.


 Blick auf das Truppenlager

Im September 1920 richteten zwei Abgeordnete der Volkspartei an die Reichsregierung in Berlin folgende Anfrage: „Wie wir hörten, beabsichtigt die französische Besatzungsbehörde in der Pfalz, unmittelbar anschließend an den auf lothringischem. Boden liegenden Truppenübungsplatz Bitsch, ein großes Gelände mit prachtvollstem altem Waldbestand auf deutschem Boden zwischen Ludwigswinkel und Eppenbrunn als Exerzierplatz zu beschlagnahmen. Die Kosten, die dem Deutschen Reich hierdurch erwachsen, werden auf 200 Millionen Mark geschätzt. Ist der Reichsregierung diese Absicht der französischen Besatzungsbehörde bekannt und welche Schritte gedenkt sie zu ergreifen, um den wertvollen Wald für die Pfalz zu erhalten und die neuen erheblichen Kosten abzuwehren?"

In der Antwort der Reichsregierung vom 20. Februar 1921 heißt es : „Da aus einem Schreiben des Generals Degoutte klar hervorging, dass die Forderung eines Divisionsübungsplatzes unabänderlich beschlossene Tatsache war, erachtet das Reichsschatzministerium die Hergabe des in der bayrischen Pfalz, bei den Orten Fischbach - Ludwigswinkel - Eppenbrunn gelegenen, auf etwa 3 000 Hektar groß geschätzten Waldstreifens als das kleinere Übel, da bei ablehnendem Standpunkt mit Sicherheit mit Requisition von wertvollem Kulturland gerechnet werden muss. Die Angelegenheit wurde sofort mit der bayrischen Kreisregierung in Speyer erörtert, die die Auffassung des Reichsschatzministeriums teilt. Die Reichsvermögensverwaltung hat dem französischen Oberkommando mitgeteilt, dass die Reichsregierung einer ausdrücklichen Anforderung des in Frage kommenden Geländes und der dazu verlangten Anlage nachkommen werde, wonach sie gemäß Artikel 8 des Rheinlandabkommens verpflichtet sei."

Mit Note vom 30. Mai 1921 erfolgte die Anforderung des Geländes durch die Rheinarmee. Die Unterkunftsräume des neuen Truppenübungslagers Ludwigs­winkel sollten für eine ständige Belegung des Lagers mit einem Regiment Infanterie und einer Abteilung Artillerie bis 15. März 1922 errichtet werden. Dazu gehörten an Massivbauten ein Haus für einen General, ein Haus für den Lagerkommandanten, ein Haus für den Platzmajor, eine Kaserne für die Wachkompanie und ein Krankenhaus. Die übrigen Bauten konnten in Holz ausgeführt werden. Es waren insgesamt 190 Bauten erforderlich. Sie umfassten Wohnbaracken, Küchen, Waschräume, Magazine, Kantinen, Soldatenheime, Offiziers- und Unteroffiziersmessen, Ställe, Wach- und Arrestgebäude, Fahrzeug­schuppen und Werkstätten.

Die Bauleitung des neuen Truppenübungslagers am Oberlauf der Sauer, im Schöntal bei Ludwigswinkel, lag in den Händen des Reichsneubauamtes, das damals seinen Sitz in Rumbach hatte. Im August 1921 wurden die Arbeiten mit aller Energie in Angriff genommen. Dreißig Autos und zwei Schleppmaschinen fuhren ununterbrochen die nötigen Baumaterialien vom Bahnhof Bundenthal zum Lager Ludwigswinkel. Arbeiter aus allen süddeutschen Ländern waren im Lager anzutreffen. Soweit sie nicht in Baracken untergebracht werden konnten, logierten sie in Ludwigswinkel und Fischbach. Tanzsäle wurden in Schlafsäle umgewandelt.

Zur Versorgung des Lagers wurden auch vom Saarbrunnen eine neue Druck­wasserversorgung mit Pumpstation und ein Wasserreservoire verlegt und für das Abwasser die erste Kläranlage oberhalb des Saarbacher Weihers im Sauertal gebaut. Auf Vermittlung des französischen Armeebischofes der Rheinarmee, Monseigneur Remond in Mainz, erhielt das neue Lager auch eine Barackenkirche.

Ein Zeitgenosse schrieb damals über das Lager: „Bei Ludwigswinkel ließen sich die Franzosen ein Truppenübungslager bauen. Wer es nicht gesehen hat, macht sich kaum eine richtige Vorstellung. Es nimmt einen Platz ein so groß wie Dahn. Da reiht sich Baracke an Baracke, jede 50 Meter lang und 12 Meter breit, da stehen massive Gebäude, Lazarett und Generalshäuser. Auch eine Kirche fehlt nicht. Zwischendurch ziehen sich chaussierte Straßen, gut kanalisiert, mit einem Wort: es ist eine Stadt, die da in einzig schönen Wäldern versteckt liegt."

In den Waldabteilungen Haardt und Tausendschöneck bei Fischbach wurden für die Rekruten aus Marokko und Algerien auch ein großer Exerzierplatz sowie ein Schießplatz gebaut. Von hier aus wurde mit den Geschützen scharf über die Berge zum Truppenübungsplatz Bitsch geschossen.

Über den Schießplatz zwischen Fischbach und Eppenbrunn berichtet damals die „Pirmasenser Zeitung": „Beim Güterbahnhof Fischbach, der von der Reichs­vermögensverwaltung betriebenen und im Auftrag der Franzosen erbauten Wasgenwaldbahn, die eigentlich nur militärischen Zwecken dienen sollte, beginnt die eigentliche Gefahrenzone des Schießgeländes der Franzosen. Letztere haben hier eine Fläche von etwa 30 Quadratkilometern beschlagnahmt, die bei Fischbach beginnt und sich westwärts bis nach Eppenbrunn hinzieht. Im Norden geht sie bis zum Ebet, zur Hohen List und zum großen Biesenberg hin. Im Süden bis zur Grenze nach Lothringen. Dort bildet der Truppenübungsplatz Bitsch die ideale Verlängerung dieses Geländes, denn die Franzosen schießen sogar von diesem Platz bis weit in das deutsche Gelände hinein. In der letzten Zeit liefen sogar Gerüchte um, dass die Franzosen dieses Gelände im Wege einer Grenzregulierung erhalten sollten.

An der Straße von Fischbach nach Ludwigswinkel liegen im Faunertal die Infanterieschießplätze, zu deren Herstellung die Fällung von 118 Hektar Eichen­bestand nötig war. Am Stecheck haben die Franzosen Handgranatenunterstände errichtet und auch dort sind größere Waldparzellen abgeholzt worden.

In etwa 40o Meter Höhe liegen um die Mummelsköpfe verstreut in schönem Wald große Gebiete, auf denen mit Handgranaten, Gewehrgranaten, mit Maschinengewehren und anderen Gewehren geschossen wird. Zur Stellung dieser Flächen mussten 62 Hektar Wald gefällt werden. Im Gebiet des Zimmerschachen befinden sich die Artillerie-Einschlagplätze auf einer etwa 77 Hektar großen abgeholzten Fläche. Auf diesem Gelände sind außerdem zur Beobachtung des Artilleriefeuers mächtige Betonunterstände eingebaut.

Außerhalb dieser Gefahrenzone liegen aber noch weitere Abschussstellen für schwere Artillerie, so in der Nähe der Ortschaften Erlenbrunn und Salzwoog, zwölf an der Zahl, zu denen Wege für die Kolonnen hergestellt werden mussten.

Bei Bundenthal hält die französische Besatzung ihre Schießübung mit schweren Geschützen in Richtung Ludwigswinkel ab. Der Einschlagplatz ist von dieser Stelle rund 30 km entfernt. Beobachtungstürme und Beobachtungsstellen liegen verstreut über das ganze Gebiet. Man sieht also, dass Frankreich alles Interesse hat, dieses für seine Truppenübungen wichtige Gebiet zu bekommen."

In seinem Heimatbuch „Die deutsche Pfalz am deutschen Rhein" schreibt Hermann Kohl: „Das nahe Ludwigswinkel hat sich seit der Besetzung der Rhein­lande durch französische Truppen zu einer Soldatenkolonie entwickelt. Da durchhallt denn gar oftmals die Wasgauberge dumpfer Geschützdonner, der sich an felsenbesetzten Höhen bricht oder es dröhnen die Landstraßen einsamer Waldtäler vom Hufschlag und Wagengerassel endloser Kolonnen von Marok­kanern und Algeriern, die fast Tag für Tag das früher so weltfremde Grenz­gebiet durchziehen. Hier in des Waldes tiefster Einsamkeit steht ein Haus am Wege und heischt des Himmels Schutz - einst von Sonntagsfrieden umjubelt und nur in den Zeiten des Krieges und der Soldatenmanöver aufgeschreckt - das Reißler Forsthaus, der Grenzsitz unserer pfälzischen Forstbehörde. Heute hat es den Waldesfrieden mit dem lärmenden Getriebe der gegenüberliegenden Soldatenkolonie vertauscht. Höfe und Dörfer in der Runde bangen um ihre Existenz.

Bahndammbau im Jahre 1922


Die Wasgenwaldbahn von Bundenthal zum Lager Ludwigswinkel

Die Bewohner des Sauertales zählten um 1900 mit Galgenhumor ihre Bahnhöfe auf: Kaltenbach, Bergzabern, Weißenburg und Bitsch. Das wurde besser, als im Jahre 1911 das pfälzische Schienennetz vom Bahnhof Hinterweidenthal durch das Dahnertal bis zur Endstation Bundenthal-Rumbach erweitert wurde. Aber die Schönauer hatten immer noch 9 km, die Fischbacher 10 km und die Ludwigswinkler 14 km Fußweg bis Bundenthal. Kurz vor dem 1. Weltkrieg schrieb ein Sauertäler: „Schon lange werden Pläne geschmiedet, die Bahn auch in das Sauertal hinein zu bringen. Regierung, Forstärar und Bürgermeisterämter hielten von Zeit zu Zeit Versammlungen ab. Preisend mit vielen schönen Reden sprach alles von der künftigen Bahn, aber sie kam nicht. Über die Berge ging’s nicht, zu wenig Dampf, durch die Berge auch nicht, zu wenig Geld." Während des Ersten Weltkrieges verstummten die Gespräche über den Bahnbau im Sauertal.

Im Zusammenhang mit der Errichtung des Truppenübungsplatzes Ludwigswinkel musste das Deutsche Reich für die Franzosen auch eine neue Bahnlinie vom Lager bis zum Bahnhof Bundenthal als Reparationskosten bauen. Das Staatsministerium für Verkehrs-angelegenheiten in München hatte am 21. Februar 1920 der Eisenbahndirektion Ludwigshafen den Auftrag erteilt, wegen der Aufnahme der Bahnneubaulinie Bundenthal-Nieder- schlettenbach-Nothweiler-Schönau-Fischbach-Ludwigswinkel mit den an dieser Strecke beteiligten Gemeinden in Verhandlung zu treten. Am Sonntag, dem 16. Mai 1920, fand in Schönau die erste Versammlung wegen des Bahnbaues statt, wozu zwei Vertreter des Bezirksamtes Pirmasens, fünf Vertreter der Eisenbahndirektion Ludwigshafen und vier Vertreter der bayrischen Forstverwaltung erschienen waren.

Außerdem waren zu dieser Tagung folgende Bürgermeister geladen:

1. Johannes Klein, Bundenthal

2. Heinrich Kindelberger, Rumbach

3. Brubach, Nothweiler

4. Otto Mischler, Schönau

5. Schlick, Niederschlettenbach

6. Anton Lambert, Fischbach

7. Jakob Hauenstein, Ludwigswinkel

Den Erschienenen wurde Gelegenheit gegeben, die Pläne des Projektes einzu­sehen. Einstimmig stimmten alle dem neuen Bahnbau zu. Bürgermeister Mischler von Schönau wünschte, „dass die Bahn auf dem Südhang des Schwobberges und im Sauertal möglichst außerhalb der teueren Wiesen angelegt würde". Auch Bürgermeister Lambert von Fischbach und Bürgermeister Hauenstein von Ludwigswinkel drückten den Wunsch aus, „dass ihnen ihre Wiesen bei der end­gültigen Legung der Bahn möglichst verschont werden".

Durch Vermittlung des Vorsitzenden des Pfälzerwald-Bahnbauvereins, Haupt­mann Theodor Hoffmann auf Burg Berwartstein, hatten das Bürgermeisteramt und der Vorsitzende des Verkehrsvereins der Stadt Weißenburg zu dieser Tagung ein Schreiben gesandt, worin es heißt: ,,. . . dass die Vollendung der Lautertalbahn von Bundenthal über Bobenthal nach Weißenburg von der Stadt und den Bewohnern des Kreises Weißenburg gewünscht und erstrebt wird."

Nach dem Plan der Reichsbahndirektion Ludwigshafen sollte die neue Bahn über Bundenthal - St.-Anna-Kapelle – Nothweiler - Schönau-Fischbach zum Lager Ludwigswinkel mit folgender Trassenführung gebaut werden: Vom Bahn­hof Bundenthal durch das Lautertal in Richtung Niederschlettenbach (um diese Strecke evtl. über Bobenthal bis nach Weißenburg auszubauen). Von der St.­Anna-Kapelle durch das Litschbachtal aufwärts nach Nothweiler. Zur Weiterführung nach Schönau Bau eines Tunnels zwischen Wegelnburg und Kuhnen­kopf. Von Schönau sollte die Bahnlinie dem Gienanthweg in Richtung Fisch­bach folgen. Der Bahnhof für Fischbach war bei der St.-Ulrich-Kapelle über der Sauer vorgesehen. Von hier Weiterführung Richtung Saarbacherhammer zum Lager Ludwigswinkel. Die Pläne dieser Trassenführung werden heute noch im Archiv der Kreisverwaltung Pirmasens aufbewahrt.

Damals war man allgemein der Meinung, die neue Bahn würde als Voll­bahn von Bundenthal nach Ludwigswinkel gebaut. Erst durch ein Schreiben des Reichsschatzministeriums in Berlin wurde der Kreisregierung in Speyer mitgeteilt, dass aus Sparsamkeitsgründen nur eine schmalspurige Kleinbahn in Frage käme.

Der Reichsschatzminister teilte am 24.10.1921 der Bayerischen Kreisregierung in Speyer unter dem Betreff „Französischer Truppenübungsplatz Ludwigswinkel" mit, dass der von ihm beabsichtigte Ausbau einer Vollbahn von Ludwigswinkel nach Bundenthal nach Auskunft des Reichsverkehrsministeriums unter den heutigen Verhältnissen aus grundsätzlichen Erwägungen leider unterbleiben müsse, zumal die Beschaffung des Obermaterials für die Vollbahn bei dem großen Materialmangel einerseits und dem Bedarf der Eisenbahnverwaltung für die laufende Streckenunterhaltung schon Schwierigkeiten begegne. Die Bau­kosten für einen Streckenkilometer müsse man bei günstigen Geländeverhält­nissen auf etwa 2,7 Mio. RM beziffern. Unter diesen Umständen habe er bei der großen Dringlichkeit der Baufrage die Verlegung einer schmalspurigen Klein­bahn in die Wege geleitet.

Daraufhin wurde der Plan der Reichsbahndirektion Ludwigshafen zu den Akten gelegt. Durch das Reichsneubauamt in Rumbach wurde für diese Klein­bahn eine neue Trassenführung über Rumbach und die Wasserscheide der Rumbacher Höhe zum Sauertal nach Fischbach und Ludwigswinkel geplant. Im Frühjahr 1922 begann unter Leitung des Reichsneubauamtes der Bau des 15 km langen Bahndammes mit 8 Straßenüberquerungen vom Bahnhof Bundenthal bis zum Lager Ludwigswinkel. Das Truppenübungslager in Ludwigswinkel konnte früher in Betrieb genommen werden als die neue Wasgenwaldbahn, während Loks und Waggons in Mainz als Festungsbahn im Einsatz waren und von dort in den Wasgau transportiert werden mussten. Die neue Wasgenwaldbahn war ursprünglich nur als militärische Anlage zum Transport von Truppen, Munition, Material und Verpflegung für die Soldaten und Heu und Hafer für die vielen Pferde gebaut worden. Unter Hinweis der Reichsregierung auf die Rendite gab schließlich die französische Besatzungsmacht die Bahn auch für den öffentlichen Personen- und Güterverkehr frei.

Bei den Haltestellen Reißler Forsthaus und Ludwigswinkel Ort sieht man bereits einige Gebäude hinter den Tannen hervorlugen. Nun sind wir im Lager Ludwigswinkel - Camp de Ludwigswinkel, Avenue de Paris.

Es ist nur eine Kleinbahn, 60 cm nur ist ihre Spurweite. Aber sie hat sechs starke vierachsige Lokomotiven bis zu 100 Pferdestärken. Für bessere Leute - bei uns wohnen nur solche- sind elegante geschlossene Abteilwagen vorhanden. Wenn der Zudrang zu stark wird, nehmen Freunde der frischen Luft und freien Umsicht auf dem „Aussichtswagen" Platz. Hier stören keine Wände und kein Dach, um sich und über sich freies Gesichtsfeld bis zum Horizont. Solide Packwagen sorgen für die Post. Und sollte ein Ungeübter beim Mischler in Schönau dem 21er Keschtebuscher zu unvorsichtig ins Garn gegangen sein  unsere Packwagen sind zuverlässig."

Zum Zugpersonal gehörten der Lokomotivführer, der Heizer, der Schaffner und, weil es während der 15 km langen Fahrt bergauf und bergab ging, auch ein Bremser vom Dienst. Bürgermeister Friedrich Perret von Rumbach fuhr in seinen jungen Jahren längere Zeit als Bremser auf dieser Strecke. Da der Zug über die Wasserscheide der Rumbacher Höhe immer langsam fahren musste, war an der Außenseite eines Personenwagens ein Schild mit der Aufschrift angebracht: „Blumenpflücken während der Fahrt verboten!" Für jung und alt war es immer ein Erlebnis, mit dem neuen Bähnel zu fahren. Wenn man damals mit der Bahn von Ludwigswinkel nach Pirmasens reisen wollte, musste man in Bundenthal, Hinterweidenthal und auf der Biebermühle umsteigen.

Der Fahrplan der Wasgenwaldbahn war mit dem der Reichsbahn in Bunden­thal abgestimmt. Wenn man z. B. morgens um 10.59 Uhr mit der Reichsbahn in Bundenthal ankam, konnte man un 11.02 Uhr mit der Wasgenwaldbahn weiterfahren und war um 12.00 Uhr im Lager Ludwigswinkel oder saß um dieselbe Zeit im Kurhaus Mischler in Schönau beim Mittagessen. An der Bahnstation Schönau am Brettelhof wurden die Kurgäste mit der Pferdekutsche abgeholt.


Die Bahnstationen der Wasgenwaldbahn:

Bahnstation: Bundenthal-Bahnhof, Abfahrt: 11.02 Uhr, Km: 0,0

Bundenthal-Straße, 11.03 Uhr, 0,2 km

Rumbach, 11.08 Uhr, 1,8 km

Nothweiler-Haltestelle, 11.14 Uhr, 3,5 km

Wasserscheide, 11.20 Uhr, 4,5 km

Schönau-Brettelhof, 11.31 Uhr, 7,2 km

Fischbach-Ort, 11.43 Uhr, 10,2 km

Fischbach-Güterbahnhof, 11.45 Uhr, 10,8 km

Saarbach-Haltepunkt, 11.49 Uhr, 12,0 km

Reißler Forsthaus, 11.53 Uhr, 13,0 km

Ludwigswinkel-Ort, 11.56 Uhr, 13,7 km

Ludwigswinkel-Lager, 12.00 Uhr, 14,4 km



Im Zusammenhang mit der Frage der Beschaffung von Notstandsarbeiten für das Heer der Erwerbslosen im Landkreis Pirmasens wurde im Jahre 1925 ernstlich über die Verlängerung der Wasgenwaldbahn vom Sauertal bis zur Bezirkshauptstadt Pirmasens verhandelt und ein Plan der neuen Bahnlinie erstellt:


„Von Ludwigswinkel an wird die Linie den Saarbach auf der linken Seite begleiten. Am Hang des Hohen List-Massives steigt sie dann und erklettert die Wasserscheide beim Eselsteich. Über Kreuzstraße und durch das Tal des Aschbächels erreicht sie bequem das Dorf Eppenbrunn, welches mitten durch­schnitten wird. Dann führt die Linie entlang dem Eppenbrunner Bach bis zur Trulber Mühle, wo sie sich in das Tal der Trualb hinauf windet. Die Gerstfeldhöhe kann natürlich nicht in der gleichen scharfen Steigung genommen werden, wie es die Straße tut. Es ist aber die Möglichkeit bequem gegeben, durch seitliches Ausfahren auf die Höhe zu gelangen. Obersimten wird berührt und in das Tal der Felsalb hinab gestiegen. Von Niedersimten aus wird die Felsalb durch eine Brücke überquert und die Steigung durch die Täler des großen und kleinen Litterbaches genommen, sodann am Wasserturm von Winzeln vorbei, über Klosterhof und Imserbühl der Bahnhof Pirmasens erreicht. Die Möglichkeit des Bahnbaues in technischer Hinsicht ist gerade deshalb, weil es eine 60-cm-Bahn werden soll, eher gegeben wie bei einer Vollbahn. Als Nutznießer der neuen Bahn kämen neben den bis jetzt schon angeschlossenen Gemeinden des Sauer­tales noch folgende Dörfer in Betracht: Eppenbrunn, Schweix, Hilst, Trulben, Kröppen, Vinningen, Obersimten, Niedersimten und Winzeln. Es würde eine innige Verbindung der ganzen Hackmesserseite mit der Bezirkshauptstadt ge­boten, von der sowohl die Industrie als auch die Landwirtschaft gleichermaßen Nutzen haben werden." Dieser Plan kam aber nicht zur Ausführung.















Das Lager anderer Perspektive; im Vordergrund die ehemaligen Offizierswohnungen, sowie rechts im Mittelgrund der Lokschuppen und im Hintergrund die großen Gebäude  sind heute noch erhalten


Das Ende des Truppenübungsplatzes Ludwigswinkel und der Wasgenwaldbahn im Jahre 1930

Bei der Befreiung der Rheinlande am 30. Juni 1930 musste auch der Truppen­übungsplatz Ludwigswinkel von der französischen Besatzungsmacht geräumt werden. Die französischen Truppen verließen Ludwigswinkel. Der Hauptzweck der Wasgenwaldbahn war weggefallen.

Schon am 29. Januar 1930 waren Vertreter des Reichsverkehrsministeriums, des Reichsfinanzministeriums, des Reichsministeriums für die besetzten Gebiete, des Bayrischen Staatsministeriums des Äußeren, der Regierung der Pfalz, der Reichsvermögensverwaltung Koblenz, des Reichsvermögensamtes Landau, des Bezirksamtes Pirmasens, der Reichsbahndirektion Ludwigshafen und der Industrie- und Handelskammer der Pfalz zu einer Besichtigung der Wasgenwald­bahn und der reichseigenen Anlagen innerhalb des Truppenübungsplatzes in das Sauertal gekommen. Sie fuhren mit dem fahrplanmäßigen Zug der Wasgen­waldbahn um 10.10 Uhr von Bundenthal in das Lager Ludwigswinkel und kehrten nach der Besichtigung im Kurhaus Mischler in Schönau ein.

Ihre gemeinsame Besprechung am nächsten Tag in Landau über die Frage des künftigen Weiterbetriebes der Wasgenwaldbahn, deren Neubau das Reich über drei Millionen Mark gekostet hatte, fiel zu Ungunsten des Bähnel aus: eine Übernahme der Wasgenwaldbahn nach dem Abmarsch der französischen Truppen aus Ludwigswinkel durch die Reichsbahn wurde ausgeschlossen. Der Betrieb der Kleinbahnen war Aufgabe der Länder. Der Betrieb der Wasgenwaldbahn war unrentabel und erforderte hohe Zuschüsse. Nach dem Urteil der Herren vom Reichsverkehrsministerium war die Wasgenwaldbahn nicht lebensfähig und kein geeignetes Verkehrsmittel, da sie nur eine Spurweite von 60 cm hatte. Daher schien es am zweckmäßigsten, den Betrieb der Wasgenwaldbahn aufzugeben und die Personenbeförderung durch Kraftfahrlinien der Post weiterzuführen.

Unter der Überschrift „Räumungsmaßnahmen der Besatzung" veröffentlichte das Bezirksamt Pirmasens am 10. Juni 1930 folgende Bekanntmachung: „Der Präsident der Reichsvermögensverwaltung in Wiesbaden hat mitgeteilt, dass zufolge der Chefferie Landau des 32. französischen Armeekorps vom 8. Mai 1930 das Barackenlager in Ludwigswinkel am 20. Mai 1930 freigegeben wurde."

Am 24. Juni 1930 teilte der Reichsminister für Verkehr dem Staatsministerium des Äußeren in München mit, dass „in Berücksichtigung der dargelegten Verhältnisse für den Fall der Auflassung der Schmalspurbahn Bundenthal-Ludwigswinkel die Errichtung einer Kraftpostlinie auf der Strecke Bundenthal-Schönau­-Ludwigswinkel in Aussicht genommen wird."

Der Reichsminister für die besetzten Gebiete ordnete am 28. August 1930 im Benehmen mit dem Reichsminister des Innern und des Bayrischen Staats­ministeriums des Äußeren die Einstellung des Betriebes der Wasgenwaldbahn am 31. Oktober 1930, die Veräußerung der gesamten Anlage und die Kündigung des Personals an.

Als in dieser Zeit der Stationsmeister von Bundenthal, Peter Fröhlich, mit dem Streckenwart Friedrich Perret, dem jetzigen Bürgermeister von Rumbach, auf die Station Wasserscheide auf der Rumbacher Höhe, telefonierte, sagte Fröhlich: „Hier Fröhlich von Bundenthal!", worauf Perret antwortete: „Hier Traurig von der Wasserscheide!"

Am 31. Oktober 1930 fuhr das lieb gewonnene Bähnel mit Dampflok und Salonwagen zum letzten Mal von Ludwigswinkel nach Bundenthal und nahm für immer Abschied vom Wasgau. Die Schienen wurden abgebaut und die Wasgenwaldbahn in die Dolomiten verfrachtet.

Die Deutsche Reichspost hat als Ersatz für die Wasgenwaldbahn auf der Strecke Bundenthal-Schönau-Ludwigswinkel am 1. November 1930 eine fahr­planmäßige Kraftpostlinie aufgenommen.

Die beste Lösung auf die Frage „Was wird aus dem Lager Ludwigswinkel?" war der Vorschlag des Bezirkslehrervereins Pirmasens, die durch den Abzug der Besatzung freiwerdende Gebäude des Lagers als ein „Kinderdorf für die ganze Pfalz" umzugestalten: „Zweifellos wird der geplante mehrwöchige Schul- und Werkunterricht in dem dortigen herrlichen Waldgebiet mit seinem angenehmen Sommerklima und mit den anregenden und erfrischenden Bädern in den Weihern von vorzüglichem körperlichem und geistigem Einfluss auf die Jugend sein. Die gesundheitliche Rückwirkung und Anregung eines solchen Waldaufenthaltes, die bleibende Erinnerung an die gemeinschaftlich erworbenen Handfertigkeiten in Arbeit und Spiel, der frohstimmende Eindruck sonnendurchglänzter herrlicher Buchen- und Eichenwaldungen und der wohltuende Eindruck der weit sich hinziehenden grünen Wiesentäler, belebt von murmelnden Gewässern und blitzenden Weihern, wird für die Kinder der Pfalz ein Erlebnis und eine bleibende Erinnerung für ihr ganzes Leben werden." Leider fand dieser Vorschlag bei der Kreisregierung in Speyer keine Zustimmung.

Dem Bezirksamt Pirmasens und den Gemeinden des Sauertales fehlte das nötige Geld, um in dem leerstehenden Barackenlager in Ludwigswinkel Industrie anzusiedeln. Die Baracken wurden mit dem Inventar versteigert und abge­brochen. Vergeblich bemühte sich Pfarrer Wagner von Fischbach, die Lagerkirche für die Katholiken von Ludwigswinkel zu retten.

Vom Lager Ludwigswinkel ist heute nicht mehr viel zu sehen. Die Straßen sind noch weitgehend erhalten und nur den massiven steinernen Gebäuden aus dem Jahr 1922 sieht man noch ihre vornehme Abstammung an. Der im letzten Krieg beim ehemaligen Truppenübungsplatz aufgestaute Weiher ist als Bade­weiher sehr beliebt und wurde allgemein als „Lagerweiher" bezeichnet. Die Gemeinde Ludwigswinkel ist bemüht, die unselige Vergangenheit zu vergessen und hat dem Weiher nach der Waldabteilung, die zum' Lagerbau geschlagen wurde, den Namen „Schöntalweiher" gegeben.

Die drei großen Offiziershäuser bei der Schuhfabrik Gebrüder Rott sind in Privatbesitz. Aus dem Lazarett der Franzosen wurde das Müttergenesungsheim „Wasgauhaus" der Arbeiterwohlfahrt. Die Kaserne der Wachkompanie übernahmen die ehemaligen „Lederwerke Wasgau" als Gerberei. In den letzten Jahren wurde sie zu einem modernen Ferienzentrum umgebaut.

Den Bahndamm der Wasgenwaldbahn kann man, obwohl er streckenweise eingeebnet wurde, noch nach 85 Jahren von Bundenthal bis nach Ludwigswinkel verfolgen. Die Fördergemeinschaft Wasgau verwahrt in ihrer Bahnhofs­wirtschaft in Bundenthal als Kostbarkeit einen Originalfahrplan der Wasgenwaldbahn vom 15. Mai 1927. Bei den Altentagen in Bundenthal, Rumbach, Schönau, Fischbach und Ludwigswinkel werden heute noch Anekdoten vom guten alten Bähnel erzählt.

Heute kann man auf den letzten Spuren dieser Bahn im Zuge des Radweges aus dem Sauertal ins Wieslautertal  wandeln.

Aus dem Bericht „Der französische Truppenübungsplatz Ludwigswinkel und die Wasgenwaldbahn“ von Karl Unold, Dorfschullehrer und Heimatforscher aus dem Heimatkalender 1982 .

Hier finden Sie das Originalmanuskript  von Karl Unold. Dankenswerter Weise von K. Unold junior zur Veröffentlichung überlassen.

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